EE - Nr. I - Free Template by www.temblo.com
Gratis bloggen bei
myblog.de


         
 
Blog
Archiv
Abo / RSS-Feed
Suche
 
Gästebuch
Kontakt
Blog weiterempfehlen
Zu Favoriten setzten
 
         



1

Stille durchflutete den Raum, helles Licht beschien die langen Gänge; Reihen, gefüllt mit Dingen, die man brauchte oder nicht brauchte. Alles war still und nichts atmete. Seine vorsichtigen, fast lautlosen Schritte verhallten leise in den tiefen Gängen. Alles war nahezu perfekt. Obst füllte Theken; perfektionistisch angeordnet, es war bereit, gekauft zu werden. Käse lag hinter Glasscheiben. Eingesperrt, einsam, unverkauft.
Doch jetzt, als er die langen Gänge durchquerte, konnte er ein Atmen vernehmen. Der Einkaufswagen ließ sich willig schieben, ihm blieb nichts anderes übrig; wehren konnte er sich nicht. Aber in diesem Moment durchzog ihn ein leises, unregelmäßiges Atmen.
Der Boden war bis zum Erblinden auf Hochglanz poliert, er spiegelt das helle Licht; spiegelte jedoch nur das, was er sah.
Wo war nur dieses Salz? Die Gänge schienen entlos. Die hohen Reihen schauten von oben auf ihn herab, kühl und professionell. Sie waren darauf trainiert worden. Sie waren zum Bersten gefüllt mit Produkten. Lücken waren nicht zu finden. Alles war perfekt. Jedoch das Salz war nicht da. Die Produkte starrten ihn an, verwirrt und ängstlich. Hilfe war von ihnen nicht zu erwarten. Sie konnten nur warten und hoffen. Vor ein paar Tagen hatte er doch schon einmal nach diesem Salz gesucht. Wo hatte es da nur gestanden? Er überlegte, grübelte. Stille, und wieder kein Atmen. Beim letzten Mal hatten sie doch auch geatmet. Da fiel es ihm ein.

2

Er lief ein paar Gänge weiter und wurde fündig. Dort stand es, in einer komplett weißen Tüte, die ein blasser Namenszug zierte. Es sah verschreckt aus, und müde. Dunkle Ringe zeichneten sich unter seinen Augen ab. Plötzlich ein dumpfes Klirren. Er wandte sich um. Ein paar Meter weiter war ein Glas aus einem Regal auf die Erde gefallen. Die Fassade bröckelte. Wie konnte es nur auf solch einen Gedanken kommen. Selbstmord war nie eine Lösung, eher ein Ausweg. Der Boden war nun von einer zähen, braunen Flüssigkeit bedeckt, die sich langsam um die Scherben herum ausbreitete. Andere Produkte waren in Mitleidenschaft gezogen worden, und weinten bitterlich. Er wandte den Blick ab, und konzentrierte sich wieder auf das Sal… Wo war es? Das Salz? Es war verschwunden. Links und rechts daneben auch nichts. Es war verschwunden?! Nun gut, er konnte eben nicht mehr seiner eigenen Wahrnehmung trauen. Das kam schon vor. Die Realität hatte sich wieder einmal verschoben. Er blinzelte, rieb sich die Augen. Nein, die Realität mit Dingen, die man für möglich hielt, und in der es keine sonderbaren, übernatürlichen Dinge gab, existierte nicht. Die Realität war die eigene Wahrnehmung. Als er die Augen öffnete war die Tüte immer noch nicht auffindbar. Er hatte nun wirklich keine Lust mehr. Die Tüte war eben weg, sollte sich jemand anderes damit herumschlagen. Plötzlich wurde er durch einen Schlag nach hinten gestoßen, ruckartig durch die Luft geschleudert. Er schlug mit dem Kopf auf den sauberen, perfekt polierten Boden auf. Sein Gesicht durchzog ein übernatürchlich starker Schmerz; seine Nase war gebrochen, schwoll an. Blut rann sein Gesicht hinab, besprenkelte den Boden, der laut aufschrie. Er fühlte das Blut in seinen Kopf steigen, sein Hinterkopf wurde heiß. Er lag da und keuchte, rang nach Luft; seine Nase war vollkommen angeschwollen, unbrauchbar zum Atmen. Die Realität verschob sich. Schmerzen durchfluteten ihn, ließen ihn nicht atmen; er schmeckte Blut, das nun langsam in seinen Mund kroch, Blut kroch aus seinem Hinterkopf. Den Mund weit aufgerissen, nach Luft schnappend, versuchte er, sich wieder aufzurichten. Seine Beine trugen ihn nur widerwillig, jeden Moment dazu bereit, unter ihm nachzugeben. Gedanken rasten in seinem Kopf, durchwunden seine Gehirngänge. Was war hier eben passiert? Nun endlich wieder aufrecht, tapste er den Gang entlang, vorbei an der Leiche und den weinenden Zeugen. Den Einkaufswagen hatte er stehen gelassen, der nun einsam und traurig in sich zusammen sank.
Ein paar Meter weiter gekommen, mit der Hand an seiner blutenden, gebrochenen Nase, die sich widerlich leicht bewegen ließ, wurde er stutzig. Auf dem Boden lagen vereinzelt kleine, weiße Körnchen. Kleine, weiße, salzartige Körnchen… Es war Salz! Er ging ein paar Schritte, und betrat den nächsten Gang. Wieder Salzkörner. Und nicht nur das. In einiger Entfernung lag ein zerfetztes Etwas, in weiß gehüllt, und einer zerrissenen Salztüte verdächtig ähnlich. Bitte nicht noch einer. Diese Selbstmörder gingen ihm langsam auf die Nerven. Das Salz war wohl bis hierher gespritzt worden, denn der ganze Gang war stellenweise vollkommen mit Salz bedeckt. Er ging den Gang entlang, seine Blutspur folgte ihm. Knirschend kam er an der Stelle des Todes an. Er blickte erst nach rechts, dann nach links; das Regal neben ihm war bis oben hin mit Salztüten gefüllt. Mit nur einer Ausnahme.
Die Realität hatte sich ein weiteres Mal verschoben.




© 2007 Free Template by www.temblo.com. All rights reserved. Design by MiniArt. Host by myblog